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Diese großartigen
Musiker und wundervollen
Joseph
Alessi
Ein Ausschnitt aus
Nana:
Nana: viel mehr als nur ein Name
Wer
sich die CD eines Bassposaunisten anhört, stellt sich auf imposante
und massive Klänge aus den unteren Registern der musikalischen Palette
ein. Der Name Nana ruft denn auch sofort Fragen hervor. Denn ‘Nana’ ist
das spanische Wort für Wiegenlied und Babys lieben die hohe und leise
singende Stimme ihrer Mutter. Dies scheint ein nicht zu überbrückender
Gegensatz. Es könnte auch eine Relativierung sein. Aber meiner Meinung
nach steckt in diesem Titel vor allem eine Herausforderung: Die Absicht,
das gängige (Hör)bild einer Posaune zu erweitern und reicher
zu machen. Dies geschieht vornähmlich durch die vokale Spielweise,
die sich zeigt in dem ausgewählten Repertoire und, mehr noch, in der
ungeahnten Lyrik und Melodiosität, mit der Ben van Dijk sein Instrument
spielt. Herausragende Kollegen begleiten ihn.
Das
Titelstück,
als Zugabe gegeben, gibt von der vokalen Spielweise eine glutvolle Impression.
Die Klangwärme, die Noblesse und das mühelose Spielen der verschiedenen
Register machen dieses Stück zu einem wahren Hörergenuss. Ben
van Dijk bearbeitete es selbst und spielt auch den Gitarrenpart; das illustriert
seine Liebe für den Flamenco und für die rhythmische, melodische
und emotionelle Energie dieser Musik. Aber fangen wir vorne an.
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Nick
Woud, auch der Autor der ‘Dances’ auf dieser CD, ist erster Paukist am
Radio Filharmonisch Orkest Als Komponist ist er Autodidakt, wobei sein
Schwerpunkt bis jetzt auf Kompositionen für Blechbläser liegt.
Seine “Serenade”, für Bassposaune solo und vier Tenorposaunen, wurde
von Ben van Dijk mit Posaunisten der Berliner Philharmoniker aufgenommen.“Evocation”
benutzt klassisches und barockes musikalisches Material, aber in einer
mehr romantischen freien Form. Dem kurzen Fanfaren-Einsatz folgt sofort
eine lyrische Passage. Auf der Grundlage dieser Elemente entfaltet das
Stück sich als eine Art Fantaisie. Die prominente Rolle der Bassposaune
ist sehr natürlich in die Komposition eingewebt, u.a. durch Imitationen
in den anderen Instrumenten.
Albinoni war
der erste Komponist, der Anfang des 18. Jahrhunderts die Tradition von
Konzerten für Streicher mit herausragenden Solokonzerten durchbrach.
Sie kennzeichnen sich durch einen auffallend lyrischen Stil mit langen
und starken melodischen Linien. Das gilt auch für seine Sonaten. Das
Adagio
(aus
der Sonata in Fa-Dur) lässt die Bassposaune in einem außergewöhnlich
warmen und überzeugenden Register erklingen. In dem fast nicht artikulierten
und doch definierten Ansatz erkennen wir Van Dijks Bewunderung für
das Spiel von Michel Becquet.
Auch
Eugene
Bozza besaß eine auffallende Affinität zu dem Schreiben
für Soloinstrumente, vor allem für Bläser. Er war Geiger
und bis 1948 auch Dirigent, danachDirektor
der Musikhochschule in Valenciennes . Seine Kompositionen sind anspruchsvoll
für die Ausführenden und expressiv in ihrer musikalischen Wirkung.
Das trifft z.B. für Bozzas ‘Quintett’ zu, das zu den Höhepunkten
der Blechbläserliteratur zählt. New Orleans wurde -wie
viele von Bozzas Kompositionen für Blechblasinstrumente- für
den Concours de Conservatoire National Supérieur de Musique geschrieben.
Es ist eine der interessantesten originalen Kompositionen für Bassposaune
und Klavier. Das Stück – in dreiteiliger Form – öffnet mit einer
breit ausgesponnenen Kadenz, worin das ganze Register (annähernd vier
Oktaven) angesprochen wird. In der Klavierbegleitung erkennen wir sofort
Einflüsse des Jazz, die auch von Ben van Dijk stark ausgenutzt werden.
Das geschieht jedenfalls im emotionsgeladenen mittleren Teil, z.B. über
ein breites Vibrato und akzentuierte Glissandi. Das expressive Bluenot-Motiv
erkennen wir u.a. von Bozzas ‘Balade’ für Tenorposaune, aber auch
von z.B. Milhaud. In dem tanzenden dritten Teil haben Posaune und Klavier
eine mehr gleichwertige Rolle. Das bedeutet wenig Ruhe für die ‘Zughand’
des Posaunisten. Riesige Intervalle leiten den Schluss ein. Beim
Genuss eines Getränks und gedämpfter Unterhaltung hören
wir die Sonate in
The
homogenity and lightness of this perfomance make us forget within no time
that we are dealing with an unusually low duo here.
Kehren
wir zurück zum originalen Werk für Blechbläser, so begegnen
wir Henri Tomasi. Bis zu seinem 55.Lebensjahr kombinierte er das
Komponieren mit einer außergewöhnlichen Karriere als Dirigent.
Als Komponist kreierte er ein kaleidoskopisches Gesamtwerk, in dem er keine
Gattung unberührt ließ und für das er aus den unterschiedlichsten
musikalischen Quellen schöpfte: Fauré und Puccini – die französischen
Impressionisten – korsische, provenzalische und georgische Volksmusik –
Jazz – Zwölftonmusik. Charakteristisch dabei sind Tomasis Vorliebe
für Lied, Tanz und Drama. In höherem Alter schrieb Tomasi u.a.
Stücke für Sänger und Akteure und für Tänzer und
Orchester. Viele der genannten Elemente finden wir in konzentrierter Form
in Être
ou ne pas être.
In diesem ‘Monologue d’Hamlet’ werden die dramatischen Möglichkeiten
der Posaune voll ausgenutzt. Die drei Tenorposaunen geben, wie der Chor
in der klassischen Tragödie, anfänglich ihren Kommentar zum Solisten;
später wird ihre Rolle mehr begleitend. Sehr effektiv sind die Gegensätze
zwischen den schrillen gedämpften Teilen (u.a. mit schnellen Glissandi)
und den massiven offenen Passagen, meistens eng und schwer durchlässig
komponiert. Die dramatische Expressivität des Monologs wird vergrößert
durch starke Kontraste in Dynamik, Tempi und Rhythmik. Die Schlussphrasen
des Solisten lassen die Kernfrage seines Monologs völlig offen und
unbeantwortet.
Improvisationen
von Bart van Lier und Ilja Reijngoud, die sich in derLeadpartie
abwechseln. Darauf eine ‘auskomponierte Improvisation’ von Ben van Dijk.
In der ballad,
dem zweiten Teil, hören wir die Kombination
von lyrischer Bassposaune und einer sweetstyle Posaunengruppe. Das
kurze Solo ist wieder von Reijngoud. Im anschließenden dritten Teil
werden die traditionellen Wege verlassen. Die beiden Bassposaunisten –
mit einem schönen Beitrag von Martin van den Berg, zugleich
Produzent dieser CD – stellen einenkräftigen
groove
dar, worauf die drei Tenöre eine Mischung aus Pop und Latin spielen.
In diesem
Teil lässt Jan Oosting seine besonderen
Leadqualitäten
hören. Joe
Alessi ist
einer der am meisten bewunderten Tenorposaunisten. Er ist nicht nur Solo-
und erster Posaunist des New York Pilharmonic Orchestra. Auch als Solist
und in Quartettbesetzung erscheinen regelmäßig neue Aufnahmen
von ihm. In den Dances von Nick Woud haben Alessi und Van
Dijk eine gleiche expressive Rolle. Nach einer orientalisch getönten
Eröffnung, worin die kleine Terz und Sekunde als dominierende Intervalle
eingeführt werden, ziehen u.a. eine Habanera, eine Mischung aus Walzer
und Tarantella und ein dynamischer Balkantanz vorbei, mit alternierenden
Melodie- und Begleitungs-funktionen für beide Posaunisten. Ein berauschender
pas-de-deux! Die
zwei Motetten von Anton Bruckner bilden den Höhepunkt dieser
CD. Wir hören hier den gesamten Posaunenchor, von der Alt- bis zur
Kontrabassposaune, allesThein-Instrumente! Ben van Dijk ist weltweit, bekannt
für seine sublime Beherrschung der Kontrabassposaune. Er befindet
sich hier in berühmter Gesellschaft der Posaunisten der New York
Philharmonic. Außerdem ist es, im Konzept dieser CD, eine bewusste
Wahl, nicht Bruckners ‘Aequale’ (oder eventuell Beethovens), sondern zwei
seiner Motetten aufzunehmen: Locu Iste und Vexilla Regis.
Es gibt wahrscheinlich kein Instrument, das der Vollheit eines vierstimmigen
Chores reizender gleichkommen kann als die Posaune. Der
Klang des Tubisten Hendrik Jan Renes ist schon lange eine der wichtigsten
Inspirationsquellen für Ben van Dijk. Renes’ solistischer Beitrag,
in einer ihm gewidmeten Komposition von Saskia Apon, wird gespielt
auf der Thein C-Tuba. The Moose ist eine ‘lockere’ Komposition,
fordert aber vom Tubisten die Anwendung aller Spielmöglichkeiten des
Instruments: schwer und perkussiv, aber auch leicht und cantabile, virtuos
und einen großen Spielumfang (fünf Oktaven). Hendrik Jan Renes
ist ein ausgezeichneter Solist und Ensemblespieler. Er doziert an den Musikhochschulen
von Rotterdam, Den Haag und Antwerpen. Zusammen mit Ben van Dijk bildet
er das Fundamentdes „ Blechs“ des
RPhO. Saskia Apon
spielt Harfe und ist als Komponistin Autodidakt. Sie ist Hauskomponistin
des Rotterdams Philharmonisch Brass Ensemble. Selbstverständlich
darf auf einer CD mit vokalen Aspirationen eine Arie nicht fehlen. Aus
Glinkas
‘Ivan Susanin – ein Leben für den Zaren’ bearbeitete Van Dijk Susanin’s
Aria. Mit dieser Oper aus dem Jahre 1836 wurde Glinka der Schöpfer
eines nationalen russischen Komponierstils. Ben van Dijk hätte sich
keine passendere Begleiterin wünschen können: Die Pianistin Alla
Libo. Sieverließ 1992
ihren Geburtsort St. Petersburg und lebt in den Niederlanden; sie ist verbunden
dem Rottterdams Conservatorium.
Kein
Bravour und Aufwand an Virtuosität in dieser Arie. Das einfache und
melancholische Lied könnte man bezeichnen als ein ‘Nana für Erwachsense’.
Die besinnliche Wiedergabe ist beeindruckend und ergreifend. Stellen
Sie sich vor, dass Frescobaldi eine Musik auf einem unbekannten Planeten
geschrieben hätte. Diese Bitte bekam Eddy Koopman, Schlagzeuger
und Komponist/Arrangeur.
Er bearbeitete
ein Thema von Frescobaldi zu einem duften Synthesizerstück, das eine
unerwartete Komponente des weiten musikalischen Interesses von Van Dijk
zeigt. Vieles gleitet vorbei: ‘Close encounters’, irischer Folk, eine witzige
Kirchenorgel, spacy Streicher und ein vornehmer Chor. Unterdessen
geht die Posaune besonders leichtfüßigihren
eigenen Weg. The
Chief,
der Spitzname von Emory Remington, der fast 50 Jahre die legendere Posaunenklasse
der Eastman School of Music führte, wurdekomponiert
vonJohn Stevens, um die Erinnerung
an ihn unsterblich zu machen. Die Posaunenklasse die Ben van Dijk hier
begleitet, ist auf dem besten Wege einen ähnlichen Status zu erreichen.
Das Rotterdams Conservatorium verfügt über ein einzigartiges
Unterrichtskonzept und sechs namhafte Posaunendozenten: George Wiegel,
Jörgen van Rijen, Pierre Volders und Ben van Dijk für die klassische
Abteilung, Bart van Lier und Ilja Reijngoud für die Jazzrichtung.
Studenten haben Kontakt mit allen Dozenten und lernen so alle Spielstile
kennen, Klassik, Jazz, Rock und Weltmusik.
Wöchentlich
gibt es ausführliche gemeinschaftliche Warming-up Sessions und
es wird mit einem Posaunenchor gearbeitet, an dem etwa 30 Posaunisten teilnehmen.
Rotterdam ist damit für die Zukunft der Fischteich für vielseitige
Posaunentalente. Weitere Erläuterungen ? Lehnen Sie sich zurück
und hören Sie sechs herrlich arrangierte – und gespielte – Posaunenparts;
sie begleiten einen Bassposaunisten, der seine außerordentliche Beherrschung
und Spielfreude aus jedem Ton erklingen lässt. Und
hiermit sind wir zurück bei Nana und stellen uns nochmals die
Frage: Bereichert diese CD das Bild, das wir von dem Klang und den Möglichkeiten
der Bassposaune haben? Absolut.
Aber
Ben van Dijk erreicht mehr. Er bringt an vielen Stellen den Gedanken an
das Instrument völlig zum Hintergrund (die abschließenden Gitarrenklänge
sagen in diesem Zusammenhang viel aus!). Er legt damit den Akzent auf das,
was er ausrichten will. Und damit ist diese CD, mehr noch als die Profilierung
eines Instruments, zuerst und vor allem ein Porträt einer imposanten,
musikalischen Persönlichkeit. This is the back of the booklet of the CD with the repertoire and players . Producer, Martin van den Berg and sound magician, Paul Pouwer doing their great job.
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