Nana

Diese großartigen Musiker und wundervollen
Freunde haben mir geholfen meine erste solo
CD zu schaffen.
 

Joseph Alessi
Brandt Attema
Bernard Beniers
Martin vd Berg
David Finlayson
Donald Harwood
André Heuvelman
Remko de Jager
Sarah Koch

Eddy Koopman
Alla Libo
Bart van Lier
Jan Oosting
Hendrik-Jan Renes
Ilja Reijngoud
Martin Schippers 
Nico Schippers
Alex Verbeek
Jos Verspagen
Pierre Volders
George Wiegel

Ein Ausschnitt aus Nana:
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Nana: viel mehr als nur ein Name

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Wer sich die CD eines Bassposaunisten anhört, stellt sich auf imposante und massive Klänge aus den unteren Registern der musikalischen Palette ein. Der Name Nana ruft denn auch sofort Fragen hervor. Denn ‘Nana’ ist das spanische Wort für Wiegenlied und Babys lieben die hohe und leise singende Stimme ihrer Mutter. Dies scheint ein nicht zu überbrückender Gegensatz. Es könnte auch eine Relativierung sein. Aber meiner Meinung nach steckt in diesem Titel vor allem eine Herausforderung: Die Absicht, das gängige (Hör)bild einer Posaune zu erweitern und reicher zu machen. Dies geschieht vornähmlich durch die vokale Spielweise, die sich zeigt in dem ausgewählten Repertoire und, mehr noch, in der ungeahnten Lyrik und Melodiosität, mit der Ben van Dijk sein Instrument spielt. Herausragende Kollegen begleiten ihn.
Das Titelstück, als Zugabe gegeben, gibt von der vokalen Spielweise eine glutvolle Impression. Die Klangwärme, die Noblesse und das mühelose Spielen der verschiedenen Register machen dieses Stück zu einem wahren Hörergenuss. Ben van Dijk bearbeitete es selbst und spielt auch den Gitarrenpart; das illustriert seine Liebe für den Flamenco und für die rhythmische, melodische und emotionelle Energie dieser Musik. Aber fangen wir vorne an.
Evocation bekam Ben van Dijk bei seinem Wechsel vom Radio Filharmonisch zum Rotterdams Philharmonisch Orkest (RphO) geschenkt . Auf seine Bitte schrieb Nick Woud ein Stück in klassischem Stil für Blechbläserquartett. Alle vier Ausführenden – André Heuvelman, Jos Verspagen, Pierre Volders und Ben van Dijk aus dem RphO – spielen Thein-Instrumente.
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Nick Woud, auch der Autor der ‘Dances’ auf dieser CD, ist erster Paukist am Radio Filharmonisch Orkest Als Komponist ist er Autodidakt, wobei sein Schwerpunkt bis jetzt auf Kompositionen für Blechbläser liegt. Seine “Serenade”, für Bassposaune solo und vier Tenorposaunen, wurde von Ben van Dijk mit Posaunisten der Berliner Philharmoniker aufgenommen.“Evocation” benutzt klassisches und barockes musikalisches Material, aber in einer mehr romantischen freien Form. Dem kurzen Fanfaren-Einsatz folgt sofort eine lyrische Passage. Auf der Grundlage dieser Elemente entfaltet das Stück sich als eine Art Fantaisie. Die prominente Rolle der Bassposaune ist sehr natürlich in die Komposition eingewebt, u.a. durch Imitationen in den anderen Instrumenten. 
Albinoni war der erste Komponist, der Anfang des 18. Jahrhunderts die Tradition von Konzerten für Streicher mit herausragenden Solokonzerten durchbrach. Sie kennzeichnen sich durch einen auffallend lyrischen Stil mit langen und starken melodischen Linien. Das gilt auch für seine Sonaten. Das Adagio (aus der Sonata in Fa-Dur) lässt die Bassposaune in einem außergewöhnlich warmen und überzeugenden Register erklingen. In dem fast nicht artikulierten und doch definierten Ansatz erkennen wir Van Dijks Bewunderung für das Spiel von Michel Becquet.

 
 












Auch Eugene Bozza besaß eine auffallende Affinität zu dem Schreiben für Soloinstrumente, vor allem für Bläser. Er war Geiger und bis 1948 auch Dirigent, danachDirektor der Musikhochschule in Valenciennes . Seine Kompositionen sind anspruchsvoll für die Ausführenden und expressiv in ihrer musikalischen Wirkung. Das trifft z.B. für Bozzas ‘Quintett’ zu, das zu den Höhepunkten der Blechbläserliteratur zählt. New Orleans wurde -wie viele von Bozzas Kompositionen für Blechblasinstrumente- für den Concours de Conservatoire National Supérieur de Musique geschrieben. Es ist eine der interessantesten originalen Kompositionen für Bassposaune und Klavier. Das Stück – in dreiteiliger Form – öffnet mit einer breit ausgesponnenen Kadenz, worin das ganze Register (annähernd vier Oktaven) angesprochen wird. In der Klavierbegleitung erkennen wir sofort Einflüsse des Jazz, die auch von Ben van Dijk stark ausgenutzt werden. Das geschieht jedenfalls im emotionsgeladenen mittleren Teil, z.B. über ein breites Vibrato und akzentuierte Glissandi. Das expressive Bluenot-Motiv erkennen wir u.a. von Bozzas ‘Balade’ für Tenorposaune, aber auch von z.B. Milhaud. In dem tanzenden dritten Teil haben Posaune und Klavier eine mehr gleichwertige Rolle. Das bedeutet wenig Ruhe für die ‘Zughand’ des Posaunisten. Riesige Intervalle leiten den Schluss ein. 

Beim Genuss eines Getränks und gedämpfter Unterhaltung hören wir die Sonate in
D-Moll von JosephBodin de Boismortier . Vermutlich machte sein damaliges Publikum dasselbe. Boismortier wusste die musikalische Mode seiner Zeitoptimal zu benutzen einfache, nämlich leichte Kost für die high society. Dass ein Teil seines umfangreichen Gesamtwerkes zeitlose Qualität enthält, beweisenneue Auflagen, die immer wieder von seinen Sonaten erscheinen. 
Bernard Beniers, Tubist des Radio Filharmonisch Orkest, begleitet Ben van Dijk in diesen ursprünglich für zwei Celli geschriebenen Duetten. Beniers spielt hier Thein-Cimbasso, ein ursprünglich italienisches Instrument, das wir u.a.. aus Opern von Verdi und Puccini kennen. Die Homogenität und die Leichtigkeit dieser Interpretation lassen in kürzester Zeit vergessen, dass wir es hier mit einem unüblich tiefen Duo zu tun haben.

The homogenity and lightness of this perfomance make us forget within no time that we are dealing with an unusually low duo here. 


 

Kehren wir zurück zum originalen Werk für Blechbläser, so begegnen wir Henri Tomasi. Bis zu seinem 55.Lebensjahr kombinierte er das Komponieren mit einer außergewöhnlichen Karriere als Dirigent. Als Komponist kreierte er ein kaleidoskopisches Gesamtwerk, in dem er keine Gattung unberührt ließ und für das er aus den unterschiedlichsten musikalischen Quellen schöpfte: Fauré und Puccini – die französischen Impressionisten – korsische, provenzalische und georgische Volksmusik – Jazz – Zwölftonmusik. Charakteristisch dabei sind Tomasis Vorliebe für Lied, Tanz und Drama. In höherem Alter schrieb Tomasi u.a. Stücke für Sänger und Akteure und für Tänzer und Orchester. Viele der genannten Elemente finden wir in konzentrierter Form in Être ou ne pas être. In diesem ‘Monologue d’Hamlet’ werden die dramatischen Möglichkeiten der Posaune voll ausgenutzt. Die drei Tenorposaunen geben, wie der Chor in der klassischen Tragödie, anfänglich ihren Kommentar zum Solisten; später wird ihre Rolle mehr begleitend. Sehr effektiv sind die Gegensätze zwischen den schrillen gedämpften Teilen (u.a. mit schnellen Glissandi) und den massiven offenen Passagen, meistens eng und schwer durchlässig komponiert. Die dramatische Expressivität des Monologs wird vergrößert durch starke Kontraste in Dynamik, Tempi und Rhythmik. Die Schlussphrasen des Solisten lassen die Kernfrage seines Monologs völlig offen und unbeantwortet.
 

 
Mit Pierre Volders, Remko de Jager und Alexander Verbeek hören wir hier die Posaunengruppe des Rotterdams Philharmonisch Orkest, die auch als selbständiges Quartett konzertiert.
Der reiche vokale Klang von George Roberts (USAs Mr. Basstrombone) ist schon seit Jahren ein Vorbild für viele. Nach den Big Bands von Gene Krupa – mit u.a. Urbie Green in der Sektion – und Stan Kanton ließ Roberts sich endgültig an der westcoast nieder, vor allem stimuliert durch die Begegnung mit Nelson Riddle. Die Aufnahmesessionen mit Sinatra, aber auch mit Tony Bennett, Sarah Vaughan und anderen inspirierten Roberts weiter zur Entwicklung seines lyrischen Stils, der u.a. in Hunderten von filmscores bewundert werden kann. Ben van Dijk bat den Posaunisten Ilja Reijngoud eine Ehrenerweisung für Mr. Roberts zu schreiben. In diesem Quintett hören wir die Spitzenposaunisten der Niederlande im Jazzbereich: Posaunistendes Metropole-orkest,zusammen mit dem Komponisten. Diese dreiteilige Suite enthält reichlich Soloraum für die Bassposaune. Die Begleitung variiert: Im ersten Teil-im medium swing- hören wir eine traditionelle Big Bandgruppe en blocque
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Improvisationen von Bart van Lier und Ilja Reijngoud, die sich in derLeadpartie abwechseln. Darauf eine ‘auskomponierte Improvisation’ von Ben van Dijk. In der ballad, dem zweiten Teil, hören wir die Kombination von lyrischer Bassposaune und einer sweetstyle Posaunengruppe. Das kurze Solo ist wieder von Reijngoud. Im anschließenden dritten Teil werden die traditionellen Wege verlassen. Die beiden Bassposaunisten – mit einem schönen Beitrag von Martin van den Berg, zugleich Produzent dieser CD – stellen einenkräftigen groove dar, worauf die drei Tenöre eine Mischung aus Pop und Latin spielen. 

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In diesem Teil lässt Jan Oosting seine besonderen Leadqualitäten hören.

Joe Alessi ist einer der am meisten bewunderten Tenorposaunisten. Er ist nicht nur Solo- und erster Posaunist des New York Pilharmonic Orchestra. Auch als Solist und in Quartettbesetzung erscheinen regelmäßig neue Aufnahmen von ihm. In den Dances von Nick Woud haben Alessi und Van Dijk eine gleiche expressive Rolle. Nach einer orientalisch getönten Eröffnung, worin die kleine Terz und Sekunde als dominierende Intervalle eingeführt werden, ziehen u.a. eine Habanera, eine Mischung aus Walzer und Tarantella und ein dynamischer Balkantanz vorbei, mit alternierenden Melodie- und Begleitungs-funktionen für beide Posaunisten. Ein berauschender pas-de-deux!

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Die zwei Motetten von Anton Bruckner bilden den Höhepunkt dieser CD. Wir hören hier den gesamten Posaunenchor, von der Alt- bis zur Kontrabassposaune, allesThein-Instrumente! Ben van Dijk ist weltweit, bekannt für seine sublime Beherrschung der Kontrabassposaune. Er befindet sich hier in berühmter Gesellschaft der Posaunisten der New York Philharmonic. Außerdem ist es, im Konzept dieser CD, eine bewusste Wahl, nicht Bruckners ‘Aequale’ (oder eventuell Beethovens), sondern zwei seiner Motetten aufzunehmen: Locu Iste und Vexilla Regis. Es gibt wahrscheinlich kein Instrument, das der Vollheit eines vierstimmigen Chores reizender gleichkommen kann als die Posaune.

Der Klang des Tubisten Hendrik Jan Renes ist schon lange eine der wichtigsten Inspirationsquellen für Ben van Dijk. Renes’ solistischer Beitrag, in einer ihm gewidmeten Komposition von Saskia Apon, wird gespielt auf der Thein C-Tuba. The Moose ist eine ‘lockere’ Komposition, fordert aber vom Tubisten die Anwendung aller Spielmöglichkeiten des Instruments: schwer und perkussiv, aber auch leicht und cantabile, virtuos und einen großen Spielumfang (fünf Oktaven). Hendrik Jan Renes ist ein ausgezeichneter Solist und Ensemblespieler. Er doziert an den Musikhochschulen von Rotterdam, Den Haag und Antwerpen. Zusammen mit Ben van Dijk bildet er das Fundamentdes „ Blechs“ des RPhO. Saskia Apon spielt Harfe und ist als Komponistin Autodidakt. Sie ist Hauskomponistin des Rotterdams Philharmonisch Brass Ensemble.

Selbstverständlich darf auf einer CD mit vokalen Aspirationen eine Arie nicht fehlen. Aus Glinkas ‘Ivan Susanin – ein Leben für den Zaren’ bearbeitete Van Dijk Susanin’s Aria. Mit dieser Oper aus dem Jahre 1836 wurde Glinka der Schöpfer eines nationalen russischen Komponierstils. Ben van Dijk hätte sich keine passendere Begleiterin wünschen können: Die Pianistin Alla Libo. Sieverließ 1992 ihren Geburtsort St. Petersburg und lebt in den Niederlanden; sie ist verbunden dem Rottterdams Conservatorium.

Kein Bravour und Aufwand an Virtuosität in dieser Arie. Das einfache und melancholische Lied könnte man bezeichnen als ein ‘Nana für Erwachsense’. Die besinnliche Wiedergabe ist beeindruckend und ergreifend.

Stellen Sie sich vor, dass Frescobaldi eine Musik auf einem unbekannten Planeten geschrieben hätte. Diese Bitte bekam Eddy Koopman, Schlagzeuger und Komponist/Arrangeur. 

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Er bearbeitete ein Thema von Frescobaldi zu einem duften Synthesizerstück, das eine unerwartete Komponente des weiten musikalischen Interesses von Van Dijk zeigt. Vieles gleitet vorbei: ‘Close encounters’, irischer Folk, eine witzige Kirchenorgel, spacy Streicher und ein vornehmer Chor. Unterdessen geht die Posaune besonders leichtfüßigihren eigenen Weg.

The Chief, der Spitzname von Emory Remington, der fast 50 Jahre die legendere Posaunenklasse der Eastman School of Music führte, wurdekomponiert vonJohn Stevens, um die Erinnerung an ihn unsterblich zu machen. Die Posaunenklasse die Ben van Dijk hier begleitet, ist auf dem besten Wege einen ähnlichen Status zu erreichen. Das Rotterdams Conservatorium verfügt über ein einzigartiges Unterrichtskonzept und sechs namhafte Posaunendozenten: George Wiegel, Jörgen van Rijen, Pierre Volders und Ben van Dijk für die klassische Abteilung, Bart van Lier und Ilja Reijngoud für die Jazzrichtung. Studenten haben Kontakt mit allen Dozenten und lernen so alle Spielstile kennen, Klassik, Jazz, Rock und Weltmusik. 

Wöchentlich gibt es ausführliche gemeinschaftliche Warming-up Sessions und es wird mit einem Posaunenchor gearbeitet, an dem etwa 30 Posaunisten teilnehmen. Rotterdam ist damit für die Zukunft der Fischteich für vielseitige Posaunentalente. Weitere Erläuterungen ? Lehnen Sie sich zurück und hören Sie sechs herrlich arrangierte – und gespielte – Posaunenparts; sie begleiten einen Bassposaunisten, der seine außerordentliche Beherrschung und Spielfreude aus jedem Ton erklingen lässt.

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Und hiermit sind wir zurück bei Nana und stellen uns nochmals die Frage: Bereichert diese CD das Bild, das wir von dem Klang und den Möglichkeiten der Bassposaune haben? Absolut. 

Aber Ben van Dijk erreicht mehr. Er bringt an vielen Stellen den Gedanken an das Instrument völlig zum Hintergrund (die abschließenden Gitarrenklänge sagen in diesem Zusammenhang viel aus!). Er legt damit den Akzent auf das, was er ausrichten will. Und damit ist diese CD, mehr noch als die Profilierung eines Instruments, zuerst und vor allem ein Porträt einer imposanten, musikalischen Persönlichkeit.
©Kees Adolfsen
Übersetzung: Linda van de Beek

This is the back of the booklet of the CD with the repertoire and players .

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Producer, Martin van den Berg and sound magician, Paul Pouwer doing their great job.